TIST

Trauma Informed Stabilization Treatment

TIST wurde von Janina Fisher aus der Notwendigkeit heraus entwickelt, Klienten mit schweren und andauernden traumabedingten Symptomen eine Behandlung anbieten zu können. TIST basiert auf den neuesten theoretischen Modellen der neurobiologischen Grundlagen der Traumaforschung, dem Modell der Strukturellen Dissoziation und der Entwicklungs- und Bindungstheorie.

Die Basis der klinischen Modelle bilden die Sensumotorische Psychotherapie, das System der inneren Familie, Ego-State Techniken und der Achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie.

Was zunächst hier sehr technisch und kühl klingt, ist eine schnell wirksame, leicht verständliche und anwendbare Methode, die Klientinnen darin unterstützen kann, sich selbst in kurzer Zeit zu stabilisieren. Dies kann z. B. dann hilfreich sein, wenn Jemand auf einen Therapieplatz wartet und die Wartezeit sinnvoll überbrücken möchte und bereits etwas "tun".

Spielfiguren
Foto: Pixabay

Der Fokus der TIST Methode liegt weniger auf dem traumatischen Ereignis selbst, sondern viel mehr auf der Betrachtung der Auswirkungen traumatischer Ereignisse auf das heutige (Er-)Leben der Klientinnen. 

Die Grundannahme dabei ist, dass die z.T. schweren Reaktionen nicht auf eine Persönlichkeitsstörung oder eine psychische Erkrankung zurückzuführen sind, sondern eine traumabedingte Fragmentierung (Dissoziation) und "Entfremdung vom Selbst" darstellt.

 

Wie können Klientinnen im Alltag mit traumabedingten, scheinbar nicht kontrollierbaren Ängsten und Impulsen in angemessene Art und Weise umgehen?

 

Bei TIST arbeiten wir von Anfang an mit dem Begriff "Anteil". Dieses Konstrukt, das uns hilft, Dinge besser auseinander halten können, zu betrachten und zu verstehen. Es ist eine andere Form von "einerseits möchte ich..." , "aber andererseits...".

Wir benennen also sich widersprechende innere Zustände als unterschiedliche Anteile.

Dies geschieht mit viel Verständnis und Würdigung des Leids der Betroffenen und eben auch jener inneren Anteile.

Die Klientin wird ermutigt, den Anteil wahrzunehmen und neugierig darauf zu lauschen, was dieser Anteil fürchtet oder braucht.

Die Arbeitsschritte erfolgen hierbei ganz im Tempo der Klientin, und die Therapeutin unterstützt die sie bei der Kontaktaufnahme und dem inneren Dialog.

 

Durch achtsames Wahrnehmen wird ein Kontakt zu den eigenen Gefühlen und Impulsen hergestellt. Dabei wird die Klientin ermutigt, wahrgenommene belastende Emotionen und Gefühle als Zeichen zu sehen, dass ein innerer Anteil aktiviert (getriggert) wurde. Diesen getriggerten Anteil gilt es nun zu bewußt wahrzunehmen, und zu behutsam mit ihm in Kontakt zu kommen. Wir möchten erfahren, wer dieser Anteil ist und was ihn so verängstigt hat.

Dabei kann es passieren, dass die Klientin sich mit den Gefühlen und Reaktionen ihres inneren Anteils verwechselt.

 

Klientin und Therapeutin üben immer wieder verschiedene Methoden der Re-orientierung und das Präsent bleiben trotz Aktivierung/Trigger.

Wann immer es sinnvoll und nötig erscheint, kehren wir zu dieser Phase der Stabilisierung und Re-orientierung zurück.

Das Ziel ist eine Kooperation zwischen der Klientin und dem Anteil, das von Verständnis, Mitgefühl und Wertschätzung für das Leid des Anteils getragen ist. Dabei ist die Klientin Diejenige, die die Verantwortung im Hier und Heute übernimmt, während der Anteil verstanden hat, dass er heute sicher ist und gesehen und gefühlt wird mit seinem Leid. Deshalb besteht für ihn weniger Anlass, in einem so hohen Maße zu reagieren ("triggern"), das es der Klientin unmöglich ist, im Hier und Heute präsent zu bleiben.

 

Wenn die Klientin verstanden hat, dass bestimmte ihrer Reaktionen in der Gegenwart Reaktionen, Ängste und Befürchtungen eines inneres Anteils von damals ist, kann dieses Verständnis ihr ermöglichen, Gefühle wie Angst, Scham und Selbstvorwürfe abzubauen und innerlich zur Ruhe zu kommen. Ein Gefühl innerer Sicherheit kann erwachsen.