· 

Mehr Neugier als Angst

Etwas Neues lernen und damit raus gehen und sichtbar werden. Das ist eine meiner größten Ängste. Das war nicht immer so. Es hat sich im Laufe der Zeit langsam eingeschlichen. Wie ein Riss in einer Hauswand. Zunächst ganz dünn und klein, es hätte auch eine einzelne herabhängende Spinnwebe sein können. Dann aber immer größer, tiefer und länger werdend. Bis zu dem Augenblick, in dem klar ist: Es ist keine Spinnwebe. Es ist ein Riss, eine Verletzung. Jedes Jahr einige Millimeter mehr. Die Aufregung vor der Sichtbarkeit entwickelte sich schleichend zur Angst, wurde immer größer. Es folgten Bauchweh und Übelkeit, feuchte Hände, Kopfweh, Schwindel. Ich dachte, das richtige Mittel ist, mich noch mehr reinhängen und noch mehr leisten, denn ich wollte eben doch auch gesehen werden, und Wertschätzung bekommen für mich und meine Arbeit. Es steigerte sich immer weiter. Bis ich nicht mehr konnte. Bis ich nur noch dachte: Ich kann nichts. Und wenn, kann ich es nicht richtig, nicht gut oder gar gut genug, und ich habe auch nichts zu geben oder zu bieten, daß Irgendjemanden interessieren könnte.

Ein Sog, der mich immer tiefer zog, und aus dem ich zunächst nicht mehr herausfand. Eines Tages stand ich vor einer Situation, die mir so viel Angst einjagte und mich so erschütterte, daß ich, damit ich nicht endgültig untergehe, eine Entscheidung treffen mußte, die sich so anfühlte, als würde ich in einen Abgrund springen mit der Gewissheit, dass mich dort nichts als ewige Qualen erwarten.

 

Erstaunlicherweise führte genau dieser Sprung zu nahezu magischen Ereignissen!

 

Heute weiß ich: "Wenn ich mich traue, mich neben meine Angst auf die Bank zu setzen, erzählt sie mir mehr über mich und meine Wünsche, Erwartungen aber auch Stärken und Fähigkeiten, als ich je ohne sie herausgefunden hätte. So habe ich gelernt, meiner Angst zu vertrauen, dass, wenn sie erscheint, sie mir etwas sehr wichtiges zu sagen hat. Etwas, was ich noch nicht gesehen habe. Etwas, das mich stärker machen wird, wenn ich mich traue, hinzuschauen. Heute ich traue mich, immer öfter."

 

Deshalb springe ich trotzdem nicht täglich glücklich aus dem Bett und tanze auf dem Regenbogen sorglos und voller Glück.

Aber vielleicht doch öfter als früher...

Bis Bald.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0